aktualisiert 05-2025
„La Mer“ – Das Meer, genauer gesagt der Atlantik, der von starken Gezeiten in der Bretagne geprägt wird beeinflusst das Leben der Bretonen an der Küste sehr. Bei Niedrigwasser liegt da so manches Boot auf dem Trockenen, umgekehrt bei Hochwasser steht das Wasser stellenweise 12 Meter ja sogar bis zu 14 Meter höher…

Das Foto der Meeresgrotte ist bei Ebbe aufgenommen. Der Wasserstand liegt bei Flut in dem Bereich weiter oben, wo der Fels von Grau ins Rote wechselt. Das sind hier geschätzte 10 Meter. So viel schwankt der Meeresspiegel an einem einzigen Tag – zwei Mal!
Der Einfluss der Gezeiten reicht noch kilometerweit flussaufwärts ins Landesinnere. Für Fischer und Bootsmänner gehört der Ablauf der Gezeiten zur Grundlage ihrer Tätigkeit. Auch für den Reisenden in seinem Bretagne Urlaub ist es wichtig, auf die Gezeiten zu achten.
Was Sie wissen sollten und worauf zu achten ist, möchte ich in den folgenden Zeilen festhalten.
Gezeiten in der Bretagne für Reisende
Der Rythmus der Gezeiten berührt den Reisenden auf den ersten Blick vielleicht nicht. Das Wissen darüber erweist sich aber hier im Land von Ebbe und Flut schnell als nützliche Information. Angefangen von Passagen, die nur bei Niedrigwasser passierbar sind, über Strände, die bei Ebbe zum Baden einfach nicht toll sind, weil das Meer Steine oder anderes freigelegt hat und man weit zum Wasser laufen muß. Es gibt da so manche Situation, in der es wirklich komfortabel ist, zumindest in etwa zu wissen, wie die Gezeiten an diesem Tag sind.

Ja die Gezeiten in der Bretagne fallen auch noch jeden Tag auf eine andere Zeit. Es gibt einen sogenannten Gezeitenkalender, der ziemlich präzise vorraus gibt, wann welcher Wasserstand erreicht wird und auch wo. Denn in Brest sind die Gezeiten anders als in St. Malo oder Quiberon.
Um einen Überblick zur Thematik der Gezeiten in der Bretagne zu bekommen, behalf ich mir immer mit der Seite von gezeitenfisch.de. Doch die französische Seite maree.info ist noch viel genauer. Dort kann man die nächste Hafenstadt auswählen und bekommt den Gezeitenkalender entsprechend angezeigt.
Zurück zur Praxis: Es ist geschickter mit den Gezeiten zu planen. Eine Küstenwanderung bei Flut, bei der das Meer an die Felsen klatscht ist doch interessanter, als die gleiche Wanderung, bei der man den Ozean am Horizont suchen muß.
Pêche à pied

Eine andere Wanderung ist nur bei Ebbe möglich. Wenn sich das Wasser zurückgezogen hat, kommt für wenige Stunden eine einzigartige Landschaft zum Vorschein. Dann ist es möglich zwischen Sand und Fels über den Meeresboden zu laufen und in kleinen und großen natürlichen Wasserbecken das Meeresleben zu beobachten.

Genau zu dieser Zeit rücken die Einheimischen mit Korb und Netz aus, zum Pêche à pied, Fischen zu Fuß. Dabei werden Muscheln, Austern, Krebse und was sich sonst noch in den Becken und an den Felsen der Küste findet, gesammelt. Dabei aber nie vergessen, dass die Flut irgenwann wieder kommt.
Die Flut

Die Küste der Bretagne ist meist steil abfallend, oft felsig, weniger weitläufige Flächen, wie wir die Nordsee mit ihrem Wattmeer kennen, mit Ausnahme der Buchten. Gerade dort und bei einer Wanderung auf eine Ilot (Gezeiteninsel) muß man die Gezeiten wissen. Denn in diesen fast ebenen Bereichen wird man schnell vom heranfließenden Wasser überrascht. Für solche Ausflüge ist es besser sich vorab genau zu informieren, wie die Wasserstände an diesem Tag sind. Bei den Gezeiteninseln ist meist eine Hinweistafel vor Ort mit Gezeitenkalender.
Pauschal ist es immer gut, wenn man spätesten 1 Stunde nach dem Einsetzen der Flut sich auf den „Rückweg“ macht sofern man weiter draußen ist. Aber es gibt auch Situtationen da muß man es einfach genauer wissen, wie z. B. beim Erkunden von Seegrotten.
Gezeiten Zeit vergessen
Nehmen wir an, Sie haben sich zu einer Erkundungstour, durch die vom Wasser freigelegte Landschaft, aufgemacht und dabei die Zeit vergessen. Das Wasser macht was es immer macht, nach etwa 6 Stunden wird die Richtung gewechselt, wieder zurück ans Land.
Wenn Sie weit draußen sind, bleiben meist 2 Möglichkeiten. Auf einer Insel oder Fels bleiben und auf die nächste Ebbe warten. Oder doch noch schnell durchs ansteigende Wasser. Doch das kann mit rutschigem Untergrund durch Algen und über Steine schwierig werden. Notfalls auch schwimmen oder die Seenotrettung benachrichtigen. Die holen einen dann mit dem Hubschrauber ab! Allerdings nicht gratis. Deshalb niemals die Gezeiten unterschätzen und nicht vergessen!!

Mir ist es einmal passiert, dass mein vermeintlich sicherer Rückweg zum Land auf halbem Wege durch das steigende Wasser überspühlt wurde. Ich selbst stand weiter draußen auf einem Fels, machte noch ein paar Fotos und wollte dann schnell über einen höher gelegenen Felsrücken zum Strand zurück. Nur war der plötzlich irgendwie viel kleiner und schon mit Wasser umspühlt.
Die Flut kommt an manchen Stelle ziemlich schnell und verändert die Umgebung in kürzester Zeit dramatisch. Mir blieb nichts anderes übrig, als in das hüfthohe Wasser zu steigen und durch das kalte Nass vorsichtig an Land zu waten.
Gut zu merken – Gezeiten in der Bretagne
Ebbe und Flut wechseln etwa alle 6 Stunden. Wenn man sich merkt, dass sich jeden Tag die Gezeiten um ungefähr 1 knappe Stunde nach vorne verschieben, kann man sich ganz gut behelfen, falls man beim Frühstück vergessen hat, den Gezeitenkalender zu lesen.
Als Beispiel: Samstags um 12 Uhr ist Ebbe, dann ist Sonntags die Ebbe erst um 13 Uhr.
Wenn Sie ein bisschen die Gezeiten im Kopf behalten, werden Sie keine nassen Füße bekommen.

